Die fundamentale Wahl im Trading, die jeder falsch versteht!

Die allermeisten Leute denken nicht einmal darüber nach. Es ist nicht einmal eine Wahl für sie. Kannst du dich noch daran erinnern, wie du zum Trading gekommen bist und, warum du genau so handelst, wie du es heute tust? Bist du dir sicher, dass es da draußen keinen Markt und/oder keine Strategie gibt, die besser zu deiner Persönlichkeit passt und, dass das nicht das Problem ist, mit dem du gerade kämpfst?

Zu allererst: Ich bin absolut gegen dieses ständige System- und Market-Hopping, den ständigen Wechsel der Zeiteinheiten usw. Was ich sagen will: Wenn du schon länger in diesem Bereich tätig bist (3+ Jahre) und immer noch kein Licht am Ende des Tunnels siehst, ist es vielleicht wirklich Zeit, das Gold irgendwo anders zu suchen – in einer andere Strategie, einem anderen Markt oder auch einen komplett neuen Ansatz.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten von euch keine gute Antwort haben, wenn ich euch frage: “Warum arbeitest du gerade mit diesem bestimmten Ansatz, in diesem bestimmten Markt und auf dieser bestimmten Zeiteinheit?”

Die Antwort sollte wohlüberlegt und ausgereift sein, aber, …. ich wette, dass meistens wohl eine Antwort in der Art, “Keine Ahnung, ist einfach so passiert”, kommt. Das erste Mal zum Trading kamst du bestimmt durch einen Freund oder eine Werbeanzeige und dann bist du einfach größtenteils bei dem geblieben, was du in den ersten Tagen an “Wissen” aufgesaugt hast.

Als ich angefangen habe, habe ich den EURUSD mit Moving Averages im Metatrader4 gehandelt. Aber, warum Forex? Weil sich die Sache mit dem Hebel so nett anhörte, es sehr einfach war ein Konto dort zu bekommen und, weil die Mindesteinzahlungen minimalst waren. Warum Moving Averages? Weil ich von den ganzen anderen Indikatoren gar nichts verstanden habe. Warum im MT4? Weil er kostenlos, einfach zu benutzen war und, weil mein Broker ihn mir quasi gab. Warum EURUSD? Wegen der niedirgen Spreads und, weil es das Liquideste war, was man handeln kann.

Aber jetzt mal ernsthaft: Auch, wenn es beinahe immer so oder ähnlich abläuft, sind das so ziemlich die dümmsten Gründe, die man haben kann! Und genau das zeigte sich auch in den wirklich miserablen Ergebnissen, die das brachte, denn damals war der EURUSD von zig HighFrequencyTradern (HFT) getrieben, die mich gnadenlos abgeräumt haben! Es hat zwei oder drei Monate gedauert, bis ich mir dachte, ich sollte mich mal vielleicht woanders umschauen, statt weiter mit dem Monster zu kämpfen!

Im Leben haben wir immer wieder mal keine Wahl! Beim Trading aber haben wir immer zig Möglichkeiten. Trading ist ein riesengroßes Spiel der Möglichkeiten! Warum solltest du dir nicht auch deinen Teil holen?

Damit du nicht durch irgendwelche dummen und meist unüberlegten/vorgeschobenen Gründe irgendwo gefangen bist, hier mal ein paar Fragen, die du dir stellen solltest:

Die vier wichtigen Fragen

Bist du ein diskretionärer Trader, ein diskretionärer Systemtrader oder ein Systemtrader?
Und, wenn du ein Systemtrader bist, willst du den Algorithmus die Trades finden und ausführen lassen oder soll er nur die Trades finden und du führst sie selber aus? Oder machst du lieber alles selbst?

Das ist eine wirklich ganz wichtige Frage! Viele Menschen überschätzen die Schwierigkeiten des Programmierens und gucken deswegen nicht einmal auf das Algo-Trading. Mit den heutigen Möglichkeiten ist es ziemlich einfach mal ein paar Ideen auf die Schnelle zu testen – wenige Minuten reichen oft. Meine erste, einfache Strategie hat mich etwa einen Tag beschäftigt. Mittlerweile kann ich sogar komplexe Strategien in wenigen Minuten erstellen und testen – und ich bin definitiv kein Mathe- und Programmier-Genie. Wenn du einem Tesla traust, dass er dich alleine nach Hause fährt, warum traust du dann keinem Algorithmus, deine Trades auszuführen? Denk’ da mal drüber nach. Wenn du dir gerne die Charts anguckst und sie gerne analysierst, dann solltest du lieber manuell handeln. Wenn nicht, schaue dir mal das Algo-Trading an. Meiner Meinung nach werden die meisten der Leser hier wohl diskretionäre Systemtrader sein und leider nutzen viele den diskretionären Teil des Tradings dazu, ständig ihre Tradingregeln (sofern sie überhaupt welche haben) zu brechen. Dadurch zerstören sie natürlich immer wieder ihre Ergebnisse. Sei ehrlich! Du weißt ganz genau, dass du das tust!

Auf welcher Zeiteinheit willst du handeln?
Das ist wohl die zweit-wichtigste Frage in deiner Trading-Karriere. Viele starten als Daytrader, was nahezu immer eine bescheuerte Wahl und Idee ist. Die Risk-Reward-Ratio ist dort einfach nur horror-mäßig, also das Risiko, damit deine Zeit zu verplempern und als Gewinn, damit innerhalb von drei bis fünf Jahren in den Gewinnbereich zu kommen! Das wird meist nichts bei Anfängern!

Als Anfänger solltest du die meiste Zeit mit dem Studium und der Analyse des Marktes verbringen. Als Daytrader bist du aber nahezu nur am traden! Aber du lernst dabei nichts! Du musst dann also immer vorher oder nachher deine Trades genau analysieren oder du wirst immer weiter im Wasser rumtreten und nichts auf die Reihe bekommen. Außerdem: Hast du eine Familie? Wie willst du nach deinem (meist) anstrengenden Job noch traden und dich auch noch um deine Familie kümmern? Für 90% von euch (oder noch mehr!) ist das Daytrading nichts! Ihr solltest euch lieber mal mit dem 4-Stunden- oder Tageschart beschäftigen! Außerdem kannst du dann auch deinen Job behalten und die Trading-Gewinne als eine Art Zusatzeinkommen nutzen – etwas, was ich ohnehin JEDEM Trader empfehlen würde!

Ein weiteres Problem beim Daytrading ist der psychologische Aspekt. Du erlebst positive und negative Erfahrungen in deutlich verkürzter Zeit in atemberaubender Menge. Das sorgt für ordentlich Stress! Das ist definitiv nichts, was du willst – insbesondere nicht, wenn du gerade erst anfängst! Und zuletzt: Trading auf höheren Zeiteinheiten sorgt dafür, dass du dein eigener Boss bleibst. Daytrading heißt nämlich, dass du jeden Tag, immer(!) zur selben Zeit handeln musst – ob es regnet, schneit, die Sonne oder was auch immer scheint!

Willst du mit dem Trend oder gegen den Trend handeln?
Das ist größtenteils eine Frage deiner Persönlichkeit. Ich mag es immer wieder mal gerne, Breakouts und Pullbacks zu handeln, wenn es sich richtig anfühlt. Wenn du aber Angst hast bei einem neuen Allzeit-Hoch ordentlich zu kaufen, ist das vielleicht nichts für dich. Vielleicht solltest du dann nach Umkehrpunkten/Reversals suchen. Denke nur dran: Versuche niemals die Tiefst- oder Höchstpunkte zu treffen – warte, bis der Preis dreht und du eine Bestätigung für deine Handelsidee hast! Viele Trader fühlen sich auch einfach wohler, wenn sie nur in eine Richtung handeln. Ich liebe LONG-Trades und handle zwar auch SHORT aber irgendwie habe ich da immer ein komisches Gefühl. Aber es gibt viele Trader, die ich schon gecoacht habe, die 80% SHORT handeln und dabei eine 90% Gewinnrate haben – aber vielleicht nur 50% bei ihren LONG-Trades.

Du siehst also, dass es sich auszahlen kann, wenn du dich selber kennst. So kannst du an deinen Schwächen arbeiten und Dinge vermeiden, von denen du weißt, dass sie schief gehen. Nutze ein Journal, um solche Dinge zu bemerken und, um dich und dein Trading besser kennen zu lernen.

Welcher Markt ist der Richtige für dich?
Mache das, was dich interessiert. Mich hat es nie großartig interessiert, mich intensivst mit bestimmten “Instrumenten” auseinander zu setzen – bspw. ein Öl-Spezialist oder derartiges zu werden und das dann zu meinem Einkommen zu machen. Aber da draußen gibt es viele, die genau das machen.

Im Gegensatz zur Politik und Gesellschaft, glaube ich beim Trading tatsächlich an Diversität. Ich wollte eine Strategie haben und die auf möglichst vielen unterschiedlichen Märkten gewinnbringend einsetzen können. Das heißt also, ich musste zum Setup-Spezialisten werden. Im Endeffekt bedeutet das, dass ich mir jeden Tag zig Märkte angucke und hoffe, dass irgendwo die Dinge so stehen, dass sie für meine Strategie passen. Wenn ja, mache ich einen Trade, wenn nicht, dann nicht!

Langweilen dich Bilanzen und GuV’s zu Tode? Dann solltest du vielleicht keine Aktien handeln! Sind dir Währungen und deren Fundamente, politische Dinge usw. zu kompliziert aber du hast eine Affinität zu Zahlen? Dann schaue dir Optionen an. Eher technische oder fundamentale Analyse? Liegt an dir! Die besten Trader, die ich kenne, kombinieren beides. Du bekommst von den Futures-Rollover Kopfschmerzen? Dann handle etwas anderes!

Da draußen gibt es zig verschiedene Märkte und für jeden dieser Märkte zig verschiedene Möglichkeiten, ihn zu handeln. Es müssen nicht Forex oder Aktien sein, nur, weil du damit mal angefangen hast. Das wäre der schlechteste Grund, etwas zu handeln, den du haben kannst.

Du handelst was du bist

Frage dich diese vier Fragen. So kannst du ziemlich einfach eingrenzen, was du für eine Art Trader bist. Vergiss das nie: Eine Tradingstrategie sollte immer eine Erweiterung deiner Persönlichkeit sein! Versuche niemals deine Persönlichkeit an eine bestimmte Strategie oder einen bestimmten Stil anzupassen – das funktioniert auf Dauer nicht! Es gibt da draußen so viele Strategien und Ziele, wie es Trader gibt. Nimm das, was für dich Sinn macht, sodass du dem dann 100% vertrauen kannst, wenn die harten Zeiten kommen.

Und, wie immer, kommentiert bitte unten. Ich freue mich drauf, wie ihr die Sache seht.